Arbitrage ist eine der vielversprechendsten Strategien im modernen Kryptowährungshandel. Dabei geht es darum, Gewinne aus Preisunterschieden zwischen verschiedenen Handelsplattformen oder zwischen Spot- und Futures-Märkten zu erzielen. Der Handel mit Arbitragemöglichkeiten ermöglicht es, die Auswirkungen der Volatilität zu minimieren und einen relativ stabilen Ertrag zu erzielen, wenn der richtige Zeitpunkt für den Einstieg gewählt wird.
Drei wichtige Arten des Arbitrage-Handels
Der Kryptowährungsmarkt bietet Tradern mehrere grundlegende Ansätze für Arbitrage. Jeder von ihnen hat seine Eigenschaften, Risiken und Gewinnpotenziale.
Arbitrage im Spot- und Futures-Markt
Diese Art des Arbitrage basiert auf gleichzeitiger Arbeit mit einem Asset in zwei verschiedenen Marktsegmenten. Das Prinzip ist einfach: Sie kaufen das Asset dort, wo der Preis niedriger ist, und verkaufen gleichzeitig dort, wo der Preis höher ist. Zum Beispiel, wenn Bitcoin auf dem Spot-Markt günstiger ist als im Futures-Kontrakt BTCUSDT, kann der Trader BTC zum Spotpreis kaufen und den Futures-Kontrakt verkaufen. Wenn der Futures-Verfallstermin erreicht ist, nähern sich der Preis des Kontrakts und der Spotpreis einander an, und der Trader realisiert den Gewinn aus der Differenz.
Arbitrage bei Finanzierungsraten
Diese Handelsmethode wird aktiv auf Märkten mit unbefristeten Kontrakten genutzt. Der Mechanismus funktioniert folgendermaßen: Auf den meisten Plattformen zahlen Trader mit Long-Positionen in unbefristeten Kontrakten regelmäßig eine Gebühr (die Finanzierungsrate) an diejenigen, die Short-Positionen halten. Ist diese Rate positiv, kann der Arbitrageur gleichzeitig das Asset auf dem Spot-Markt kaufen und eine Short-Position im unbefristeten Kontrakt auf derselben Menge eröffnen. Dabei erhält der Trader zwei Einkommensströme: die potenzielle Angleichung der Preise (zur Minimierung von Verlusten) und regelmäßige Zahlungen für die Finanzierung.
Ein konkretes Beispiel: Angenommen, die unbefristete BTCUSDT-Kontrakt hat eine positive Finanzierungsrate von +0,01% pro Stunde. Der Trader kauft 1 BTC auf dem Spot-Markt und eröffnet eine Short-Position auf 1 BTC im unbefristeten Kontrakt. Durch Hedging bleiben die Preisschwankungen bei BTC unberührt, aber der Trader erhält regelmäßig die Finanzierungsgebühr für die Long-Position.
Arbitrage bei Preisunterschieden zwischen Kontrakten
Diese Art des Arbitrage zielt auf Differenzen zwischen Spot- und Futures-Märkten ab. Wenn die Spanne zwischen Spot-Preis und Futures-Preis groß ist, sichert sich der Arbitrageur diese Differenz durch gleichzeitigen Kauf auf dem Spot-Markt und Verkauf des Futures (oder umgekehrt). Bei Ablauf des Futures-Kontrakts nähern sich die Preise an, was dem Trader ermöglicht, auf der ursprünglichen Spanne Gewinne zu erzielen.
Infrastruktur des Arbitrage-Handels: Werkzeuge und Möglichkeiten
Moderne Kryptowährungshandelsplattformen bieten spezielle Tools für Arbitrage. Diese erleichtern die Suche nach Chancen und das Management der Positionen erheblich.
Suche und Priorisierung von Chancen
Der erste Schritt im Arbitrage-Handel ist die Suche nach wirklich profitablen Möglichkeiten. Professionelle Plattformen bieten Funktionen zur automatischen Priorisierung von Handelspaaren nach Spreads oder Finanzierungsraten. So kann der Trader schnell die interessantesten Paare identifizieren und die potenzielle Rentabilität bereits vor der Eröffnung der Position einschätzen.
Die Priorisierung kann auf zwei Wegen erfolgen:
Nach Finanzierungsraten (von hoch nach niedrig), um Paare mit maximalen Einnahmen durch Gebühren zu wählen
Nach Spreads (von groß nach klein), um die profitabelsten Zeitfenster für Futures-Operationen zu erkennen
Gleichzeitiges Platzieren von Orders auf zwei Märkten
Das Kernelement des Arbitrage-Handels ist die Möglichkeit, gleichzeitig und unabhängig auf zwei verschiedenen Märkten von einem einzigen Bildschirm aus Orders zu platzieren. Der Trader sieht die Kurse und die Liquiditätsniveaus beider Paare gleichzeitig, was eine schnelle Entscheidungsfindung ermöglicht. Die Menge des gehandelten Assets sollte auf beiden Märkten immer gleich sein, aber in entgegengesetzten Richtungen (Kauf auf der einen, Verkauf auf der anderen Seite).
Automatisches Balancieren des Portfolios (Smart-Rebalancing)
Eine der größten Herausforderungen beim Arbitrage ist, dass Orders auf beiden Märkten nicht gleichmäßig ausgeführt werden. Wenn auf einem Markt 70% des Orders ausgeführt werden, auf dem anderen nur 40%, entsteht ein Ungleichgewicht, das das Risiko einer Liquidation erhöht. Moderne Plattformen lösen dieses Problem mit einer Funktion für automatisches Smart-Rebalancing, die wie folgt funktioniert:
Das System prüft alle 2–3 Sekunden die Anzahl der ausgeführten Orders in jede Richtung. Bei einem Ungleichgewicht werden automatisch Market-Orders platziert, um dieses auszugleichen. Beispiel: Wenn auf dem Spot-Markt 0,6 BTC gekauft wurden, im unbefristeten Kontrakt aber nur 0,4 BTC verkauft wurden, verkauft das System automatisch weitere 0,2 BTC im unbefristeten Kontrakt. Der Vorgang läuft so lange, bis alle Orders vollständig ausgeführt sind oder eine festgelegte Frist (meist 24 Stunden) abgelaufen ist.
Erweiterte Margin-Handelsmöglichkeiten
Einheitliche Handelskonten erlauben die Nutzung von über 80 Assets als Margin-Sicherheiten. Das bedeutet, dass der Trader nicht nur USDT oder USDC als Sicherheiten halten muss, sondern jedes Asset im Portfolio als Sicherheit dienen kann. Dies macht das Kapital flexibler und ermöglicht eine bessere Verwaltung der Positionen bei gleichzeitiger Nutzung mehrerer Assets.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So starten Sie mit Arbitrage
Um praktische Arbitrage-Strategien umzusetzen, ist es wichtig, den Ablauf der Orderplatzierung und Positionsverwaltung genau zu verstehen.
Schritt 1: Auswahl des passenden Paars
Gehen Sie in den Bereich der spezialisierten Trading-Tools und öffnen Sie die Liste der verfügbaren Handelspaare. Analysieren Sie die Finanzierungsraten oder Spreads, je nach gewählter Strategie. Wählen Sie das Paar, das am attraktivsten hinsichtlich des potenziellen Ertrags erscheint.
Schritt 2: Richtung und Positionsgröße festlegen
Bestimmen Sie die Richtung Ihrer ersten Order (Long oder Short auf einem der Märkte). Nachdem Sie die Richtung für einen Markt festgelegt haben, bereitet das System automatisch die entgegengesetzte Richtung für den zweiten Markt vor. Geben Sie die gewünschte Positionsgröße ein. In der Regel reicht es, die Größe für eine Richtung anzugeben – das System füllt die andere automatisch aus.
Schritt 3: Ordertyp auswählen
Sie können entweder Market-Orders (sofortige Ausführung zum aktuellen Kurs) oder Limit-Orders (Ausführung bei Erreichen eines bestimmten Kurses) verwenden. Market-Orders garantieren eine sofortige Ausführung, können aber zu Slippage führen. Limit-Orders bieten mehr Kontrolle, werden aber nur ausgeführt, wenn der Kurs erreicht wird.
Schritt 4: Aktivierung des Smart-Rebalancing
Es wird empfohlen, die Funktion für automatisches Portfolio-Rebalancing zu aktivieren. Das reduziert das Risiko, dass eine Order früher ausgeführt wird als die andere, was zu gefährlichem Ungleichgewicht führt. Diese Funktion ist standardmäßig aktiviert und läuft 24 Stunden nach Positionsöffnung.
Schritt 5: Bestätigung und Überwachung
Bestätigen Sie die Orders, die gleichzeitig auf beiden Märkten in entgegengesetzten Richtungen platziert werden. Danach können Sie den Status der Orders im Bereich der aktiven Positionen verfolgen. Das System verwaltet das Rebalancing automatisch, solange die Orders laufen.
Schritt 6: Ergebnisverwaltung
Nach vollständiger Ausführung der Orders sind die Positionen in den entsprechenden Plattformbereichen sichtbar. Spot-Assets erscheinen im Spot-Handelsbereich unter „Assets“, Positionen in unbefristeten Kontrakten und Futures im Bereich „Derivate“. Bei Nutzung der Finanzierungsstrategie können die erhaltenen Gebühren in der Transaktionshistorie nachvollzogen werden.
Praktische Berechnungen: Ertragsabschätzung
Die korrekte Berechnung des potenziellen Gewinns ist die Grundlage für erfolgreiches Arbitrage. Hier die wichtigsten Formeln:
Berechnung des Spreads zwischen zwei Preisen
Spread = Verkaufspreis − Einkaufspreis
Diese einfache Formel zeigt die absolute Differenz zwischen zwei Preisen. Beispiel: Sie kaufen BTC auf dem Spot für 43.000 USD und verkaufen den Future für 43.200 USD, der Spread beträgt 200 USD.
Das gibt die Effizienz des Trades in Prozent an. Bei einem Spread von 200 USD auf einem Preis von 43.200 USD entspricht das etwa 0,46%.
Berechnung der jährlichen Rendite (APR) aus Finanzierungsraten
APR = (Gesamtrate für 3 Tage / 3) × 365 / 2
Diese Formel bringt die aktuelle Rate auf eine Jahresbasis. Bei einer Rate von 0,01% pro Stunde ergibt sich eine ungefähre Jahresrendite von 87%, was sehr attraktiv erscheint, aber ständiges Management erfordert.
Hierbei ist die maximale Laufzeit die Anzahl der Tage bis zum Ablauf des Kontrakts. Diese Formel zeigt, welche jährliche Rendite erzielt werden kann, wenn der Spread bis zum Ende des Kontrakts bestehen bleibt.
Risiken und Herausforderungen beim Arbitrage-Handel
Trotz der scheinbaren Attraktivität ist Arbitrage mit erheblichen Risiken verbunden, die verstanden und richtig gemanagt werden müssen.
Liquidationsrisiko bei ungleichmäßiger Ausführung
Wenn Orders nicht gleichmäßig ausgeführt werden (z.B. 80% auf einem Markt, 20% auf dem anderen), kann die Margin auf einer Seite kritisch niedrig werden. Dies kann zu einer Zwangsliquidation zum ungünstigen Kurs führen, was Verluste bedeutet. Deshalb ist die Aktivierung des Smart-Rebalancing so wichtig.
Slippage und Kursabweichungen
Beim Platzieren von Market-Orders zur Rebalancierung kann der Kurs vom erwarteten Niveau abweichen. Besonders bei Märkten mit geringer Liquidität oder hoher Volatilität ist das Risiko höher. Jeder Prozentpunkt an Slippage verringert den erwarteten Gewinn.
Geringe Marktliquidität
Einige Handelspaare haben ein geringes Handelsvolumen, was dazu führt, dass große Orders nicht vollständig ausgeführt werden können. Das schafft Ungleichgewichte, die schwer durch Market-Orders ausgeglichen werden können.
Zeitfaktor und Laufzeit des Smart-Rebalancing
Das Smart-Rebalancing läuft 24 Stunden. Wenn innerhalb dieses Zeitraums eine Order vollständig nicht ausgeführt wird, stoppt das System den Vorgang und storniert die verbleibenden Orders. Das kann dazu führen, dass die geplante Transaktion ganz entfällt.
Gebühren und Kosten
Arbitrage erfordert aktiven Handel, was zu Gebühren führt. Für jede Order (bei Eröffnung und Schließung) fallen Prozentsätze an. Bei hochprofitablen Trades sind diese gering, aber bei Margen-Operationen können die Gebühren die Gewinne vollständig auffressen.
Häufig gestellte Fragen zu Arbitrage-Strategien
Wann ist es am sinnvollsten, Arbitrage-Positionen zu eröffnen?
Arbitrage ist am effektivsten bei:
Deutlich sichtbarem Spread zwischen zwei Märkten von mehr als 0,5–1% – das reicht aus, um Gebühren zu decken und Gewinn zu erzielen
Hoher Volatilität, bei der kurzfristige Preisunterschiede entstehen
Außergewöhnlich hohen Finanzierungsraten (über 0,05% pro Stunde) – ein Signal für die Nutzung der Finanzierungsstrategie
Bei dringendem Bedarf, große Orders schnell auszuführen – Arbitrage minimiert den Einfluss auf den Markt
Welcher Spread gilt als profitabel?
Der minimal rentable Spread hängt von Ihrer Gebührenstruktur ab. Wenn Sie 0,1% Gebühren beim Öffnen und Schließen zahlen, sind insgesamt 0,2% Gebühren zu berücksichtigen. Hinzu kommen Slippage (0,1–0,3%), sodass ein Spread von mindestens 0,5–0,7% notwendig ist, um garantiert Gewinn zu machen.
Kann Arbitrage auch zum Schließen oder Übertragen von Positionen genutzt werden?
Ja, absolut. Arbitrage kann sowohl für das Eröffnen neuer Positionen als auch für deren Schließung genutzt werden. Das ist besonders nützlich, wenn Sie schnell von einem Asset in ein anderes wechseln möchten, ohne den Markt zu stark zu beeinflussen.
Funktioniert Arbitrage auf Subkonten?
Das hängt vom Kontotyp ab. Bei Standard-Subkonten ist Arbitrage meist nicht verfügbar, bei Einheitlichen Handelskonten (ETA) wird die Funktion vollständig unterstützt.
Was passiert, wenn ich die Smart-Rebalancing-Funktion ausschalte?
Wenn Sie die automatische Rebalancierung deaktivieren, behandelt das System jeden Order als unabhängig. Wenn eine Order ausgeführt wird, die andere aber nicht, erfolgt keine automatische Kompensation. Sie müssen die Positionen manuell verwalten, was das Risiko einer Liquidation erhöht.
Warum wurde mein Arbitrage-Order nicht ausgeführt?
Hauptursachen sind:
Unzureichende Margin auf dem Konto für die gleichzeitige Ausführung beider Orders
Mangelnde Liquidität in einer oder beiden Handelsparitäten
Der Limit-Preis wurde nie erreicht
Versuchen Sie, die Ordergröße zu verringern oder eine liquidere Parität zu wählen.
Wie lange ist die Smart-Rebalancierung aktiv?
Das System aktiviert die Rebalancierung automatisch 24 Stunden nach Positionsöffnung. Nach Ablauf dieser Frist werden alle verbleibenden nicht ausgeführten Orders storniert, um ein langes „Hängenbleiben“ zu vermeiden. So wird verhindert, dass Positionen unbegrenzt „festhängen“.
Welcher Margin-Modus wird beim Arbitrage verwendet?
Arbitrage arbeitet ausschließlich im Cross-Margin-Modus. Dabei fungiert die gesamte Margin des Kontos als gemeinsamer Pool, was das Risiko einer Liquidation einzelner Positionen reduziert.
Warum wurde die Smart-Rebalancierung gestoppt, obwohl Orders nicht vollständig ausgeführt wurden?
Dies passiert nach Ablauf der 24 Stunden. Das System stoppt den Vorgang automatisch und storniert die nicht ausgeführten Orders, um ein langes „Hängen“ im Kampf zwischen Spot und Futures zu vermeiden.
Wo kann ich nach Ausführung der Orders die Positionen und Assets sehen?
Nach vollständiger Ausführung beider Teile des Trades sind die Positionen sichtbar in:
Der Spot-Asset-Sektion unter „Assets“
Den Positionen in unbefristeten Kontrakten und Futures im Bereich „Derivate“
Die Gebühren für die Finanzierung können im Transaktionsverlauf des Hauptkontos nachvollzogen werden
Erfolgreiches Arbitrage im Kryptowährungshandel erfordert kontinuierliches Lernen, sorgfältige Marktanalyse und striktes Risikomanagement. Obwohl diese Strategie hilft, die Volatilität zu minimieren, garantiert sie keinen Gewinn und erfordert aktives Engagement des Traders.
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Arbitrage im Krypto-Trading: Das vollständige Handbuch zum Geldverdienen bei Preisunterschieden
Arbitrage ist eine der vielversprechendsten Strategien im modernen Kryptowährungshandel. Dabei geht es darum, Gewinne aus Preisunterschieden zwischen verschiedenen Handelsplattformen oder zwischen Spot- und Futures-Märkten zu erzielen. Der Handel mit Arbitragemöglichkeiten ermöglicht es, die Auswirkungen der Volatilität zu minimieren und einen relativ stabilen Ertrag zu erzielen, wenn der richtige Zeitpunkt für den Einstieg gewählt wird.
Drei wichtige Arten des Arbitrage-Handels
Der Kryptowährungsmarkt bietet Tradern mehrere grundlegende Ansätze für Arbitrage. Jeder von ihnen hat seine Eigenschaften, Risiken und Gewinnpotenziale.
Arbitrage im Spot- und Futures-Markt
Diese Art des Arbitrage basiert auf gleichzeitiger Arbeit mit einem Asset in zwei verschiedenen Marktsegmenten. Das Prinzip ist einfach: Sie kaufen das Asset dort, wo der Preis niedriger ist, und verkaufen gleichzeitig dort, wo der Preis höher ist. Zum Beispiel, wenn Bitcoin auf dem Spot-Markt günstiger ist als im Futures-Kontrakt BTCUSDT, kann der Trader BTC zum Spotpreis kaufen und den Futures-Kontrakt verkaufen. Wenn der Futures-Verfallstermin erreicht ist, nähern sich der Preis des Kontrakts und der Spotpreis einander an, und der Trader realisiert den Gewinn aus der Differenz.
Arbitrage bei Finanzierungsraten
Diese Handelsmethode wird aktiv auf Märkten mit unbefristeten Kontrakten genutzt. Der Mechanismus funktioniert folgendermaßen: Auf den meisten Plattformen zahlen Trader mit Long-Positionen in unbefristeten Kontrakten regelmäßig eine Gebühr (die Finanzierungsrate) an diejenigen, die Short-Positionen halten. Ist diese Rate positiv, kann der Arbitrageur gleichzeitig das Asset auf dem Spot-Markt kaufen und eine Short-Position im unbefristeten Kontrakt auf derselben Menge eröffnen. Dabei erhält der Trader zwei Einkommensströme: die potenzielle Angleichung der Preise (zur Minimierung von Verlusten) und regelmäßige Zahlungen für die Finanzierung.
Ein konkretes Beispiel: Angenommen, die unbefristete BTCUSDT-Kontrakt hat eine positive Finanzierungsrate von +0,01% pro Stunde. Der Trader kauft 1 BTC auf dem Spot-Markt und eröffnet eine Short-Position auf 1 BTC im unbefristeten Kontrakt. Durch Hedging bleiben die Preisschwankungen bei BTC unberührt, aber der Trader erhält regelmäßig die Finanzierungsgebühr für die Long-Position.
Arbitrage bei Preisunterschieden zwischen Kontrakten
Diese Art des Arbitrage zielt auf Differenzen zwischen Spot- und Futures-Märkten ab. Wenn die Spanne zwischen Spot-Preis und Futures-Preis groß ist, sichert sich der Arbitrageur diese Differenz durch gleichzeitigen Kauf auf dem Spot-Markt und Verkauf des Futures (oder umgekehrt). Bei Ablauf des Futures-Kontrakts nähern sich die Preise an, was dem Trader ermöglicht, auf der ursprünglichen Spanne Gewinne zu erzielen.
Infrastruktur des Arbitrage-Handels: Werkzeuge und Möglichkeiten
Moderne Kryptowährungshandelsplattformen bieten spezielle Tools für Arbitrage. Diese erleichtern die Suche nach Chancen und das Management der Positionen erheblich.
Suche und Priorisierung von Chancen
Der erste Schritt im Arbitrage-Handel ist die Suche nach wirklich profitablen Möglichkeiten. Professionelle Plattformen bieten Funktionen zur automatischen Priorisierung von Handelspaaren nach Spreads oder Finanzierungsraten. So kann der Trader schnell die interessantesten Paare identifizieren und die potenzielle Rentabilität bereits vor der Eröffnung der Position einschätzen.
Die Priorisierung kann auf zwei Wegen erfolgen:
Gleichzeitiges Platzieren von Orders auf zwei Märkten
Das Kernelement des Arbitrage-Handels ist die Möglichkeit, gleichzeitig und unabhängig auf zwei verschiedenen Märkten von einem einzigen Bildschirm aus Orders zu platzieren. Der Trader sieht die Kurse und die Liquiditätsniveaus beider Paare gleichzeitig, was eine schnelle Entscheidungsfindung ermöglicht. Die Menge des gehandelten Assets sollte auf beiden Märkten immer gleich sein, aber in entgegengesetzten Richtungen (Kauf auf der einen, Verkauf auf der anderen Seite).
Automatisches Balancieren des Portfolios (Smart-Rebalancing)
Eine der größten Herausforderungen beim Arbitrage ist, dass Orders auf beiden Märkten nicht gleichmäßig ausgeführt werden. Wenn auf einem Markt 70% des Orders ausgeführt werden, auf dem anderen nur 40%, entsteht ein Ungleichgewicht, das das Risiko einer Liquidation erhöht. Moderne Plattformen lösen dieses Problem mit einer Funktion für automatisches Smart-Rebalancing, die wie folgt funktioniert:
Das System prüft alle 2–3 Sekunden die Anzahl der ausgeführten Orders in jede Richtung. Bei einem Ungleichgewicht werden automatisch Market-Orders platziert, um dieses auszugleichen. Beispiel: Wenn auf dem Spot-Markt 0,6 BTC gekauft wurden, im unbefristeten Kontrakt aber nur 0,4 BTC verkauft wurden, verkauft das System automatisch weitere 0,2 BTC im unbefristeten Kontrakt. Der Vorgang läuft so lange, bis alle Orders vollständig ausgeführt sind oder eine festgelegte Frist (meist 24 Stunden) abgelaufen ist.
Erweiterte Margin-Handelsmöglichkeiten
Einheitliche Handelskonten erlauben die Nutzung von über 80 Assets als Margin-Sicherheiten. Das bedeutet, dass der Trader nicht nur USDT oder USDC als Sicherheiten halten muss, sondern jedes Asset im Portfolio als Sicherheit dienen kann. Dies macht das Kapital flexibler und ermöglicht eine bessere Verwaltung der Positionen bei gleichzeitiger Nutzung mehrerer Assets.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So starten Sie mit Arbitrage
Um praktische Arbitrage-Strategien umzusetzen, ist es wichtig, den Ablauf der Orderplatzierung und Positionsverwaltung genau zu verstehen.
Schritt 1: Auswahl des passenden Paars
Gehen Sie in den Bereich der spezialisierten Trading-Tools und öffnen Sie die Liste der verfügbaren Handelspaare. Analysieren Sie die Finanzierungsraten oder Spreads, je nach gewählter Strategie. Wählen Sie das Paar, das am attraktivsten hinsichtlich des potenziellen Ertrags erscheint.
Schritt 2: Richtung und Positionsgröße festlegen
Bestimmen Sie die Richtung Ihrer ersten Order (Long oder Short auf einem der Märkte). Nachdem Sie die Richtung für einen Markt festgelegt haben, bereitet das System automatisch die entgegengesetzte Richtung für den zweiten Markt vor. Geben Sie die gewünschte Positionsgröße ein. In der Regel reicht es, die Größe für eine Richtung anzugeben – das System füllt die andere automatisch aus.
Schritt 3: Ordertyp auswählen
Sie können entweder Market-Orders (sofortige Ausführung zum aktuellen Kurs) oder Limit-Orders (Ausführung bei Erreichen eines bestimmten Kurses) verwenden. Market-Orders garantieren eine sofortige Ausführung, können aber zu Slippage führen. Limit-Orders bieten mehr Kontrolle, werden aber nur ausgeführt, wenn der Kurs erreicht wird.
Schritt 4: Aktivierung des Smart-Rebalancing
Es wird empfohlen, die Funktion für automatisches Portfolio-Rebalancing zu aktivieren. Das reduziert das Risiko, dass eine Order früher ausgeführt wird als die andere, was zu gefährlichem Ungleichgewicht führt. Diese Funktion ist standardmäßig aktiviert und läuft 24 Stunden nach Positionsöffnung.
Schritt 5: Bestätigung und Überwachung
Bestätigen Sie die Orders, die gleichzeitig auf beiden Märkten in entgegengesetzten Richtungen platziert werden. Danach können Sie den Status der Orders im Bereich der aktiven Positionen verfolgen. Das System verwaltet das Rebalancing automatisch, solange die Orders laufen.
Schritt 6: Ergebnisverwaltung
Nach vollständiger Ausführung der Orders sind die Positionen in den entsprechenden Plattformbereichen sichtbar. Spot-Assets erscheinen im Spot-Handelsbereich unter „Assets“, Positionen in unbefristeten Kontrakten und Futures im Bereich „Derivate“. Bei Nutzung der Finanzierungsstrategie können die erhaltenen Gebühren in der Transaktionshistorie nachvollzogen werden.
Praktische Berechnungen: Ertragsabschätzung
Die korrekte Berechnung des potenziellen Gewinns ist die Grundlage für erfolgreiches Arbitrage. Hier die wichtigsten Formeln:
Berechnung des Spreads zwischen zwei Preisen
Spread = Verkaufspreis − Einkaufspreis
Diese einfache Formel zeigt die absolute Differenz zwischen zwei Preisen. Beispiel: Sie kaufen BTC auf dem Spot für 43.000 USD und verkaufen den Future für 43.200 USD, der Spread beträgt 200 USD.
Berechnung des relativen Spreads (in Prozent)
Prozentualer Spread = (Verkaufspreis − Einkaufspreis) / Verkaufspreis × 100%
Das gibt die Effizienz des Trades in Prozent an. Bei einem Spread von 200 USD auf einem Preis von 43.200 USD entspricht das etwa 0,46%.
Berechnung der jährlichen Rendite (APR) aus Finanzierungsraten
APR = (Gesamtrate für 3 Tage / 3) × 365 / 2
Diese Formel bringt die aktuelle Rate auf eine Jahresbasis. Bei einer Rate von 0,01% pro Stunde ergibt sich eine ungefähre Jahresrendite von 87%, was sehr attraktiv erscheint, aber ständiges Management erfordert.
Berechnung des APR für Spreads bei Futures
APR = (aktueller Spread / maximale Laufzeit in Tagen) × 365 / 2
Hierbei ist die maximale Laufzeit die Anzahl der Tage bis zum Ablauf des Kontrakts. Diese Formel zeigt, welche jährliche Rendite erzielt werden kann, wenn der Spread bis zum Ende des Kontrakts bestehen bleibt.
Risiken und Herausforderungen beim Arbitrage-Handel
Trotz der scheinbaren Attraktivität ist Arbitrage mit erheblichen Risiken verbunden, die verstanden und richtig gemanagt werden müssen.
Liquidationsrisiko bei ungleichmäßiger Ausführung
Wenn Orders nicht gleichmäßig ausgeführt werden (z.B. 80% auf einem Markt, 20% auf dem anderen), kann die Margin auf einer Seite kritisch niedrig werden. Dies kann zu einer Zwangsliquidation zum ungünstigen Kurs führen, was Verluste bedeutet. Deshalb ist die Aktivierung des Smart-Rebalancing so wichtig.
Slippage und Kursabweichungen
Beim Platzieren von Market-Orders zur Rebalancierung kann der Kurs vom erwarteten Niveau abweichen. Besonders bei Märkten mit geringer Liquidität oder hoher Volatilität ist das Risiko höher. Jeder Prozentpunkt an Slippage verringert den erwarteten Gewinn.
Geringe Marktliquidität
Einige Handelspaare haben ein geringes Handelsvolumen, was dazu führt, dass große Orders nicht vollständig ausgeführt werden können. Das schafft Ungleichgewichte, die schwer durch Market-Orders ausgeglichen werden können.
Zeitfaktor und Laufzeit des Smart-Rebalancing
Das Smart-Rebalancing läuft 24 Stunden. Wenn innerhalb dieses Zeitraums eine Order vollständig nicht ausgeführt wird, stoppt das System den Vorgang und storniert die verbleibenden Orders. Das kann dazu führen, dass die geplante Transaktion ganz entfällt.
Gebühren und Kosten
Arbitrage erfordert aktiven Handel, was zu Gebühren führt. Für jede Order (bei Eröffnung und Schließung) fallen Prozentsätze an. Bei hochprofitablen Trades sind diese gering, aber bei Margen-Operationen können die Gebühren die Gewinne vollständig auffressen.
Häufig gestellte Fragen zu Arbitrage-Strategien
Wann ist es am sinnvollsten, Arbitrage-Positionen zu eröffnen?
Arbitrage ist am effektivsten bei:
Welcher Spread gilt als profitabel?
Der minimal rentable Spread hängt von Ihrer Gebührenstruktur ab. Wenn Sie 0,1% Gebühren beim Öffnen und Schließen zahlen, sind insgesamt 0,2% Gebühren zu berücksichtigen. Hinzu kommen Slippage (0,1–0,3%), sodass ein Spread von mindestens 0,5–0,7% notwendig ist, um garantiert Gewinn zu machen.
Kann Arbitrage auch zum Schließen oder Übertragen von Positionen genutzt werden?
Ja, absolut. Arbitrage kann sowohl für das Eröffnen neuer Positionen als auch für deren Schließung genutzt werden. Das ist besonders nützlich, wenn Sie schnell von einem Asset in ein anderes wechseln möchten, ohne den Markt zu stark zu beeinflussen.
Funktioniert Arbitrage auf Subkonten?
Das hängt vom Kontotyp ab. Bei Standard-Subkonten ist Arbitrage meist nicht verfügbar, bei Einheitlichen Handelskonten (ETA) wird die Funktion vollständig unterstützt.
Was passiert, wenn ich die Smart-Rebalancing-Funktion ausschalte?
Wenn Sie die automatische Rebalancierung deaktivieren, behandelt das System jeden Order als unabhängig. Wenn eine Order ausgeführt wird, die andere aber nicht, erfolgt keine automatische Kompensation. Sie müssen die Positionen manuell verwalten, was das Risiko einer Liquidation erhöht.
Warum wurde mein Arbitrage-Order nicht ausgeführt?
Hauptursachen sind:
Versuchen Sie, die Ordergröße zu verringern oder eine liquidere Parität zu wählen.
Wie lange ist die Smart-Rebalancierung aktiv?
Das System aktiviert die Rebalancierung automatisch 24 Stunden nach Positionsöffnung. Nach Ablauf dieser Frist werden alle verbleibenden nicht ausgeführten Orders storniert, um ein langes „Hängenbleiben“ zu vermeiden. So wird verhindert, dass Positionen unbegrenzt „festhängen“.
Welcher Margin-Modus wird beim Arbitrage verwendet?
Arbitrage arbeitet ausschließlich im Cross-Margin-Modus. Dabei fungiert die gesamte Margin des Kontos als gemeinsamer Pool, was das Risiko einer Liquidation einzelner Positionen reduziert.
Warum wurde die Smart-Rebalancierung gestoppt, obwohl Orders nicht vollständig ausgeführt wurden?
Dies passiert nach Ablauf der 24 Stunden. Das System stoppt den Vorgang automatisch und storniert die nicht ausgeführten Orders, um ein langes „Hängen“ im Kampf zwischen Spot und Futures zu vermeiden.
Wo kann ich nach Ausführung der Orders die Positionen und Assets sehen?
Nach vollständiger Ausführung beider Teile des Trades sind die Positionen sichtbar in:
Erfolgreiches Arbitrage im Kryptowährungshandel erfordert kontinuierliches Lernen, sorgfältige Marktanalyse und striktes Risikomanagement. Obwohl diese Strategie hilft, die Volatilität zu minimieren, garantiert sie keinen Gewinn und erfordert aktives Engagement des Traders.